BWL und echte Zahlen – Teil II

Mein Steuerberater und ich hatten haben uns die letzten Tage zusammengesetzt und einen betriebswirtschaftlichen Strukturplan für den Verlag erstellt. Steuerberater hatte sich hier von Kollegen Hinweise für andere Verlage mit wenigen Publikationen geben lassen. Diese sind zwischen 3-8 Jahren am Markt.
Das ist für mich ein Anhaltspunkt. Da viele Verleger alles selber machen, ist es für mich hier mit der Vergleichbarkeit schwierig gewesen. Wir erreichen eine hohe Sichtbarkeit. Diese kaufe ich aber auch teuer ein. Ohne jene Aufwendungen würde man uns aktuell um 80% weniger wahrnehmen.

Ich gehe jetzt mal von einem günstigsten und von einem  teuren Titel aus (Geliebter Dschinn 79 Seiten) ist aktuell günstigstes Werk.

Cover 150,-
Lektorat 175,-
Korrektorat 175,-
Konvertierung 100,-
Preisgeld 500,-
Marketing bisher Facebook Sponsering 400,-
Xtme 100,-
Twitter 100,-
-4% KSK für Cover und Lektorat/Korrektorat
Autorenhonorar 30% vom Verlagserlös
Kostet als Ebook 1,99 Euro.

Verlagserlös Durchschnitt ca. 1.09 Euro pro verkauftes Exemplar. Bisher ungefähr 500 Downloads.
= 545,- abzüglich 30% vom Nettoerlös= 163,- Euro Autorenhonorar
Für den Verlag bleiben so = 366,72,- Euro vor Steuern.

Homer (500 Seiten)
Lektorat 2000,-
Korrektorat 1000,-
Buchsatz 350,-
Cover 150,-???
Konvertierung 100,-
Marketing für den Autoren bisher anteilig 800,-
Buchmesse anteilsmäßig 500,-
Übernachtung/Anreise Buchmesse/Essen 200,- (Autor wohnt in der Nähe) sonst 400,- Euro.
Marketing nach Veröffentlichung ca. 1500,-
Autorenhonorar für Print = 10% vom Nettoverkaufspreis
Ebook = 25% vom Nettoverkaufspreis
Verkaufspreise:
Ebook = 4,99,-
Aufgerundet erhält der Autor so 1,25 Euro pro verkauftes Ebook.
Der Verlag ca. 1.00 Euro
Print:
14,99,- Euro
Autor = 1,49
Verlag = 0,70

Sicher habe ich etwa vergessen, aber da ich das machen lasse, darf ich davon ausgehen, dass es am Ende zu 100% stimmt. Mein Berater und ich arbeiten ja auch bei Medical Placement zusammen. Ihr seht schon, ganz so günstig ist eine Verlagsgründung gar nicht. Wir haben ja insgesamt aktuell 11 Werke in Produktion.

Das finanziere ich durch Rücklagen. Es geht hier gegenwärtig um das erste Produktionsjahr.

Wenn ich Bücher selbst über den Verlag verkaufen würde (Online-Shop), würde sich hier ein anderes Ergebnis abzeichnen. Noch nicht inbegriffen ist die Auflage von 500 Printwerken, die Versandkosten etc. Aber das Grobraster gibt einen realistischen Überblick.

Die Zahlen bei Medical Placement sind ganz anders. Hier habe ich einen Deckungsbeitrag von 70%. Nur dadurch kann ich den Verlag überhaupt machen.

Es ist ein gewagtes Projekt, weil es aktuell nur Geld verschlingt. Aber trotzdem würde ich es wieder machen.

Wenn ein Verleger selbst Lektor ist, dann spart er einen großen Teil der Kosten. Aber wenn man sich auf das Lektorat versteht, dann muss man nicht unbedingt Ahnung von Marketing haben und umgekehrt.

Nach dem Werk ist vor dem Werk, also werde ich mich die nächsten Monate intensiv um die Vermarktung der Werke kümmern. Wenn ich die Produktionskosten des ersten Jahres zurückbekomme, dann ist das ein guter Erfolg. Wenn sich die Bücher nicht verkaufen und ich auf den Kosten sitzen bleibe, dann habe ich noch Plan B-C-D usw.

Es sind Chancen, die ich in diesem und im nächsten Jahr geben kann. Das hätte ich selbst gerne gehabt. Irgendjemand muss ja mal den Anfang machen. Ich bin froh im Kreis der Verleger angekommen zu sein. Das treibt mir jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht. Berufungen sind einfach hart. Ansonsten hätte ich das Geld in Kosmetik, Shopping oder Autos investiert. Jetzt eben in Menschen, denen ich ihre Lebensträume erfüllen kann. Das hat mehr Nachhaltigkeit.
Ich glaube an all unsere Werke. Ich glaube an meine Autoren und ich freue mich darüber, dass ich täglich lächelnde Menschen um mich herum habe. Und vor allem, dass ich halten kann, was ich verspreche. Ich labbere nicht einfach in der Gegend herum, sondern ich handle. Eine Genugtuung in der heutigen Zeit.

Und wenn ich mir das irgendwann nicht mehr leisten kann, dann ist es eben so. In meinem Gehirn ist der Punkt scheitern nicht vorhanden, ich reglementiere mich ja nicht selbst. Was weiß ich, wie viele Leben ich noch habe. Jetzt habe ich erst mal dieses und ich mache es mir so, wie es mir gefällt.

Herzliche Grüße

Melanie

P.S

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten. Ich investiere lieber in meine Autoren, anstatt jeden Beitrag korrigieren zu lassen. Ich bemühe mich, das seht ihr hoffentlich. 🙂

4 Gedanken zu “BWL und echte Zahlen – Teil II

  1. Vielen Dank für diese Information liebe Melanie. So detailiert hat noch kein (mir bekannter) Verlag seine Zahlen veröffentlicht. Es ist gut als Autor, auch dafür eine Ahnung zu haben und sein eigenes Marketing entsprechend auszurichten, damit seine seine gut verkauft werden, dass in absehbarer Zeit zumindest eine schwarze Null erscheint.

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  2. Solche Zahlen so klar und deutlich sichten zu dürfen, gibt mir persönlich ein viel besseres Gefühl. Ich habe mich bis heute nicht getraut an einen Vrrlag heranzutreten, weil es für mich nie ersichtlich war, was dahinter noch alles steht. Zu allem Überfluss gibt es dann auch noch so viele profitorientierte Zuschussverläge….

    Gefällt 1 Person

  3. Wow! Das nenne ich mal Transparenz! Ich finde es sehr mutig, mit alle dem direkt an die Öffentlichkeit zu gehen. Im Gegenzug finde ich es allerdings auch mehr als nur vertraunserweckend! Meinen Respekt dafür!

    Gefällt 2 Personen

  4. Liebe Melanie,

    danke für diesen Absatz:

    „Und wenn ich mir das irgendwann nicht mehr leisten kann, dann ist es eben so. In meinem Gehirn ist der Punkt scheitern nicht vorhanden, ich reglementiere mich ja nicht selbst. Was weiß ich, wie viele Leben ich noch habe. Jetzt habe ich erst mal dieses und ich mache es mir so, wie es mir gefällt.“

    Diesen Satz werde ich meinem Mann weiterleiten – er komponiert spirituelle Musik und erwartet im Herbst seinen ersten Vertrag bei einem Musikverlag, auf den er schon viele Jahre hinarbeitet. Er soll sehen, dass es noch mehr Menschen, wie ihn gibt, die nicht aufgeben. Danke dafür.

    Ich wünsche dir den größtmöglichen Erfolg für deinen Verlag und laut meiner geistigen Führung soll ich ja auch mal ein Buch schreiben – bin gespannt, was es werden soll. Vielleicht hören wir dann wieder voneinander.

    Alles Liebe

    Gisela Wilczura

    Gefällt 1 Person

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