Die Arbeit als Verlegerin oder Käseplatte und ein Glas Wein

© Paulista - Fotolia.com

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Als ich mir nach vielen Jahren des Überlegens den Traum des Verlages erfüllt habe, lernte ich dieses Berufsbild neu und von innen kennen.

Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Meine Bekannten dachten, man sitzt abends gemütlich bei einem Glas Wein und Käsehäppchen über den Manuskripten und lässt sich von den Werken in eine fremde Welt ziehen. 🙂

Das ist eine wunderbare Vorstellung, aber leider gibt es das in der Form nicht. Vielleicht hat es das auch nie gegeben. Aber ich hätte es mir natürlich gewünscht.

Der Verlag unterscheidet sich nicht von der Agentur im Bereich Headhunting.

Man sucht nach Nasen, in dem Falle Autorenpersönlichkeiten und hofft, dass sie marktgerecht schreiben können. Optimalerweise kommen die Werke dann bei den Lesern an und finden rasenden Absatz.

Einflussmöglichkeiten hängen vom jeweiligen Budget und viel Glück ab. Hier braucht man mehr Glück als in der Personalberatung. Hier brauche ich nur 2 Führungskräfte, die sich für meinen Kandidaten entscheiden. Beim Verlag benötige ich einige hundert Entscheidungsträger, die sagen: »Das will ich lesen.«

Glück kann ich aber leider nicht reproduzieren oder konservieren. Ich schaue mir also den Markt an und versuche einen Schritt schneller zu sein, als all die anderen qualifizierten Menschen, die genau das gleiche Ziel haben, wie ich.

Beim Headhunting bekommt man die Konkurrenz gar nicht so mit. Man denkt auch nicht über sie nach. Im Verlagswesen ist das anders. Auch wenn ich jetzt nicht direkt mit anderen Verlegern in den Austausch über Zahlen und Vorstellungen gehe, merke ich trotzdem – da ist etwas. 🙂

In der kurzen Zeit sind mir schon allerlei komische Dinge passiert. Da bekomme ich ein Manuskript zugeschickt und die Person teilt mit, dass sie auf Bastei und Heyne verzichtet hat. Ich soll die Gelegenheit am Schopfe packen und sie produzieren, sonst hätte mein letztes Stündlein als Verlegerin geschlagen, bevor ich überhaupt angefangen habe.

Auch mit Absagen können die wenigsten umgehen. Ich hatte hier schon alles von Weinkrämpfen am Telefon bis zu Bedrohungen. Das wusste ich vorher natürlich nicht. Darüber wird ja nicht gesprochen.

Ich finde das teilweise ein wenig befremdlich. Nun gut, wir befinden uns in einem kreativen Rahmen und als psychologisch ausgebildete Person hätte ich das wissen müssen. Daran habe ich aber ursprünglich gar nicht gedacht. Vielleicht hat unbewusst ja doch ein Bild von Rotwein und Käsehäppchen mitgeschwungen.

Den Neid merke ich stärker als im Headhunting, weil die Protagonisten hier doch eher sehr verschlossen und im stillen Kämmerlein vor sich hinwurschteln. Beim Verlag ist das anders. Da kommt es vor, dass mit einer negativen Rezension für Bücher gedroht wird, die noch gar nicht erschienen sind, nur weil man sich in diesem Moment nicht für ein bestimmtes Manuskript, das Potenzial zum Weltbestseller hat, entscheiden konnte.

Oft erinnert mich das alles an den Denver-Clan, eine Serie aus den 80er Jahren. Meine Rolle habe ich nur noch nicht gefunden, aber wenn ich die Wahl hätte, dann wäre es die der Alexis Carrington. Zwar keinesfalls 100% zufrieden, aber verbiegen musste die sich wenigstens nicht ständig. Sie konnte sich selbst treu bleiben.

Das ist auch ein großes Ziel von mir – ich meine, bei mir zu sein.

Leider haben die Manuskripte die eingehen in der Verlagsarbeit nur eine untergeordnete Rolle. Immer dann, wenn man beabsichtigt über kurz oder lang mit dem Verlag ein wenig Geld zu verdienen. Denn dann muss man marktgerecht schauen. Es geht also kaum um Kunst, sondern mehr um möglichst viele Menschen die, die Bücher dann auch lesen.

Warum tut man sich das dann trotzdem an? Und weshalb schreibt man das alles so extravertiert? Solltest du nicht wissen, dass zu viel Offenheit dem Marketing schadet?

Das stimmt mit Sicherheit, aber das ist mir egal. Ich bleibe einfach rigoros so, wie ich bin. Ich hätte Mühe damit, mich ständig zu verstellen und darauf zu achten, was ich wie schreibe. Es sprudelt aus mir heraus und ich denke, es ist gut, so zu sein. Deshalb fahre ich schon lange Zeit recht ordentlich. Außerdem soll dieses Blog auch eine Hilfestellung für all diejenigen sein, die selbst einen Verlag gründen wollen. Das möchte ich nicht aus den Augen verlieren. Es geht also nicht nur um Autoren und tolle Manuskripte, sondern auch um potenzielle Verlagskollegen.

Und es geht um Menschen, mit all ihren Facetten und Eigenarten. Das ist jenes, was ich wirklich spannend finde. Wir wissen ja nicht, wie viele Leben oder Umstände uns in Zukunft noch beschert werden. Ob ich jetzt wirklich etwas sinnvolles tue, kann ich nicht sagen. Aber es gibt mir oft ein positives Gefühl. Solange das überwiegt, werde ich mich weiter an das Haifischbecken herantasten.

Und ja, man muss viel kämpfen als Verlegerin. Viel mehr als, als Headhunterin, das liegt mit Sicherheit daran, dass ich berufsfremd bin. Die Hunter Mentalität schadet aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Gegebenenfalls ist das der ultimative Schlüssel, der mir Tür und Tor öffnet.

Ein Verlagskollege schrieb mir letztens eine E-Mail. Betreff: «Du schaffst es sowieso nicht.«

Es hat mich jetzt nicht sonderlich belastet, ich fand es nur befremdlich. Wie will ein anderer Mensch denn darüber entscheiden, was unterschiedliche Geschöpfe schaffen oder keinesfalls? Ist das nicht Teil der eigenen Persönlichkeit und ihrer Strukturen? Etwas, was unantastbar ist?

Ich arbeite ja viel mit den sozialen Netzwerken, da werden Rechtschreibfehler kritisiert, um einen Auftrag als Lektor an Land zu ziehen, oder das gesamte Geschäftsgebaren wird in Frage gestellt, weil man ja alles so viel besser kann. Die Welt ist kalt geworden, es ist ein ewiges Hauen und Stechen.

Und hier kommen wir dann zu meiner wahren Mission. Wenn ich es schaffe, mit den publizierten Werken die Menschen für einige Stunden aus dem Alltag zu entführen, dann empfinde ich das persönlich als nützliche Sache. Man gibt dem Individuum ein Stück Raum zurück. Dafür lohnt es sich Mühen auf sich zunehmen. Und wenn die Künstler dann von der Leserschaft gelobt werden, wenn die Verlegerin einen Schulterklopfer bekommt und gesagt wird: »Das Buch hat mir hervorragend gefallen, ich freue mich schon auf den nächsten Band.« Ja dann hat man vermutlich etwas ordentlich gemacht.

Heute zur Abendstunde genehmige ich mir ein Glas Rotwein und eine Käseplatte. Ich werde entspannt die Beine hochlegen und mich darüber freuen, wenigstens einen Abend im Monat eine wirkliche Verlegerin zu sein, so wie ich es mir immer vorgestellt habe.

Gehabt euch wohl, meine Lieben.

Eure Melanie 🙂

8 Gedanken zu “Die Arbeit als Verlegerin oder Käseplatte und ein Glas Wein

  1. Ich habe deinen Blog mit großem Interesse gelesen! Ich finde es sehr wichtig auch die Seite des Verlegers zu kennen! Ich zähle,wenn man genau sein will und von Seiten sprechen, als Schreibende zur anderen Seite. Aber wie gesagt, ich finde es wichtig die Ansicht zu kennen und hoffe sehr in der Welt der Verleger und Verlage ohne Hauen und Stechen auszukommen!! Liebe Grüße und beste Wünsche 🙂

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