Private Gedanken zum Jahresende

(c) Waldhardt Verlag

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Guten Morgen ihr Lieben. Was ich in letzter Zeit im Berufsleben als sehr anstrengend empfinde, sind die uninformierten Menschen, die sich an den Dunstkreis informierter Personen, anheften wollen. Das ist nervig.

Seitdem ich mich entschlossen habe, mit meiner Agentur in die Öffentlichkeit zu gehen, hat es angefangen. Es melden sich andere Headhunter, die mit mir zusammenarbeiten wollen, weil sie es selbst nicht gebacken bekommen. Fast täglich bekommt man Mails oder wird angerufen.

Genauso ist es jetzt mit dem Verlag. Es melden sich ehemalige Klassenkameraden, die nichts Besseres zu tun hatten, als mich in der Schule zu mobben. Plötzlich fühlt sich jeder berufen selbständig zu sein. In die Öffentlichkeit aufzubrechen oder Bücher zu schreiben. Die Motivation und der Sinn dahinter gehen verloren.

Dann gibt es »Fürsprecher«, die von allem überzeugt sind, was man macht. Die wollen viel Aufmerksamkeit von einem haben. Hat man keine Zeit, werden sie garstig und fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

Dann gibt es Kritiker, die jede Aktion mit Argusaugen beobachten und nur darauf lauern, dass man einen Fehler macht, damit sie ihren Senf dazugeben können. Weil sie durch eigenes Unvermögen mitnichten erfolgreich werden, wofür man selbst überhaupt nichts kann.

Dazu benötigt man ein dickes Fell. Gerade dann, wenn man kreative Anteile in seiner Arbeit vereint. Heutzutage gönnen die Meisten einem nicht einmal das schwarze unter den Fingernägeln.

Es ist ein ewiges Hauen und Stechen. Jene Entwicklung beobachte ich in diesem Jahr besonders intensiv. Es war der Hauptgrund, weshalb ich aus dem Dasein als Angestellte ausgetreten bin. Ich hatte keine Lust mehr drauf.

Ich bewundere die Menschen, die jeden Tag zur Arbeit gehen und ihren Chef oder ihre Chefin erfreuen und so viel Lebenszeit investieren.

Ich habe das auch gemacht, viele jahrelang. Was ich bekam, war ein Arschtritt. Ich erinnere mich an eine Mitarbeiterin, die hatte nichts mehr zu (fr)essen daheim. Die konnte ihren Strom nicht bezahlen. Alles habe ich für sie geregelt: Mit den Stadtwerken gesprochen, Vorschuss gegeben, Essen gekauft und noch Geld geschenkt.

Am Ende meines Arbeitsverhältnisses hatte sie das vergessen. Wollte sogar vor Gericht gegen mich aussagen, weil ich meinen Dienstwagen zu »oft« privat genutzt hatte. Ich gewann dieses Verfahren, wie schon einige davor.

Schlimm genug, dass man heutzutage nicht einfach kündigen kann. Hier wird dann noch nachgetreten, weil die Menschen es nicht kapieren, wenn man sich für einen anderen Weg entscheidet.

Nie wieder mache ich das. Dies habe ich mir geschworen. Und jetzt in der Welt der Selbständigen ist es genauso. Ich verfüge mittlerweile über viel Erfahrung. Deshalb ist es auch so schwer, wirklich authentisch zu sein. Jedenfalls über einen längeren Zeitraum. Es gibt auch hier Regeln. Niemals die eigene Schwäche zeigen, immer nur »positiv« und alles läuft super.

Es schaut danach aus, dass ich in den nächsten Jahren nun noch arrivierter werde, als ich das aktuell bin. Mit erfolgreich mein ich nicht nur monetäre Aspekte, sondern eher die Größe von der Agentur oder dem Verlag.

Natürlich hab ich selbst auch Neidgefühle, wenn jemand siegreicher ist als ich. Manchmal lasse ich sie zu, teilweise versuche ich, das zu unterdrücken und mich daran zu orientieren. Nicht immer gelingt es mir. Letztendlich sind wir alle »nur« Menschen auf dieser Erde.Ein kleines Rädchen, was sich unterschiedlich lange dreht.

Dass ich persönlich monetär eingestellt bin, hat damit zu tun, dass man es ohne Geld noch schwerer hat. Es ist fast unmöglich sich so zu entfalten, wie man will, wenn man keine Kohle hat. Da nützt es mir auch nichts, wenn ich täglich meditiere oder mich selbst erde. Geld regiert die Welt. Dieses Konstrukt habe nicht ich geschaffen, es war schon vor mir da.

Also befindet man sich immer in einem Hamsterrad, egal ob man angestellt ist, oder selbständig. Die Motive sind auch ähnlich. Der Vorteil des Unternehmertums liegt darin, dass ich, wenn ich es gut mache, mehr Freiheiten habe.

Wenn ich »nur« spare, dann bleibt alles auf einem gleichbleibenden Niveau. Wenn ich investiere, habe ich die Chance mich zu erweitern und den Verdienst zu steigern. Warum? Um mehr Zeit für mich zu haben und immer mehr so zu werden, wie ich sein will.

Ich verstehe durch meine Erfahrungen, weshalb so viele Leute inzwischen arrogant und unnahbar sind, jedenfalls dem Anschein nach. Das ist für mich nur ein Schutzreflex, der nix über den wahren Charakter dahinter zeigt. Man möchte mitnichten ständig verletzt werden. Deshalb grenzt man sich ab.

Ich glaube, dass dies nicht an den Menschen liegt, sondern an der Gesellschaft und an dem, was aus uns allen gemacht wird. Roboter, die in eine fremdbestimmte Richtung laufen. Sich dann zu spüren, oder etwas von sich selbst zu behalten ist sehr schwer. Schließlich vergisst man, wer man ist.

Deshalb hinterfrage ich mich immer wieder. Das hat nichts mit Unsicherheit zu tun. Ich trete in einen inneren Dialog mit mir.

Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Es war ein harter Wettkampf es so hinzubekommen, wie es jetzt ist. Und es bleibt ein stetiger Kampf. Aber der kommt nicht von extern, sondern hat hauptsächlich mit dem jeweiligen Menschen selbst zu tun.

Es ist unabdingbar zu wissen, was man will. Ich habe dafür fast dreißig Jahre gebraucht. Und es ist noch lange nicht vorbei, hoffe ich.

Wenn ich dann ein paar Minuten für mich habe und andere Menschen beobachte, gerade die Lebewesen, die nichts Besseres zu tun haben, als neidisch zu sein oder dogmatisch zu kritisieren, denke ich immerfort an die Sage: der Rattenfänger von Hameln.

Es gibt immer noch zu viele, die meiner Ansicht nach, überhaupt nichts begriffen haben. Das hat kein bisschen mit dem Alter zu tun, was ich persönlich bitter finde.

Wenn ihr dem Rattenfänger hinterher lauft, dann kreuzen sich unsere Wege bestimmt einmal, aber dann denaturieren sie sich abermals. Weil ich nur mir selbst nachlaufe.Meinen Zielen und den dazugehörigen Motiven.

Diese verändern sich sicher auch, das Leben ist nie zu hundert Prozent planbar, aber ich komme bisher immer wieder auf meine Marschrichtung zurück und das wünsche ich jedem Menschen, dass man dies schafft und erkennt.

Ihr Lieben fühlt euch alle gedrückt und lest die Zeilen gerne, um für euch etwas rauszuziehen, was ihr als sinnvoll erachtet oder auch nicht, aber versucht ihn nicht zu bewerten.

Gruß Melanie

7 Gedanken zu “Private Gedanken zum Jahresende

  1. Hey Du – ich finde Deinen Beitrag zu wertvoll um ihn zu bewerten 🙂 Ich finde mich darin wieder, er spricht mir aus der Seele und ich fühle mich verstanden.

    Es war ein harter Weg zu begreifen, dass die Steine, die mir in den Weg gelegt werden das Baumaterial für die Brücken sind, auf denen ich Abgründe überqueren kann. Ich kann Andere mit hinüber nehmen und das tue ich auch. Aber es sind meine Brücken.

    Die Menschen (und mich selbst) zu sehen wie sie sind, sie (und mich selbst) trotzdem zu lieben, ist eine Gradwanderung. Den eigenen Weg zu schützen ist dafür sogar unabdingbar. Träumen kann ich nur, wenn ich die Realität sehe und verstehe. Und die ist weitestgehend nicht nett. Mein Leben zu leben und dabei für ein paar Menschen viel zu bedeuten, funktioniert nur über Authentizität.

    Ich habe in den letzten Jahren intensiv an meiner artgerechten Haltung gearbeitet. Egal wie das ankommt, es gibt inzwischen so oft wie nötig und so schnell wie möglich ein „Nein“ zu zweibeinigen Zeit- und Energiefressern. Macht man einem Mensch recht früh deutlich, dass es keinen gemeinsamen Weg gibt, ist er schlimmstenfalls in seiner Ansicht bestätigt, man sei doof und arrogant und zieht woanders seine Kreise. Lässt man sich darauf ein, gibt es am Ende immer Drama und Kräfteverzehr. Und man selbst, auch die Lieben und die Freunde, kommen zu kurz und stecken zurück. Oh, da gibt es eine Menge zu sagen…

    Es ist zum Jahresende und mit Blick auf die vor uns liegende Zeit ein sehr guter Zeitpunkt gewesen, Deine Gedanken so auf den Punkt zu bringen. Auch vor mir liegt eine Zeit, in der ich wieder verstärkt aufpassen darf, was so außerhalb meiner Bärenhöhle vor sich geht, wo ich da mitmischen mag und wo nicht. Danke für diesen Fokus. Tut gut.

    Lieben Gruß,

    Ginger

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  2. Vielleicht nicht diplomatisch, das so offen in die Welt zu setzen. ;–> Aber gut!
    Freilich frage ich mich, ob es wirklich so bewundernswert ist, alltäglich seine Lebenszeit für Chefs und Firmen hinzugeben, die das womöglich kein bisschen verdienen. – Ist bewundernswert, was jemand tut, weil er es muss oder weil er Angst vor der Alternative hat?
    Ich wünsche Dir immer einen guten Kompass für den – für Dich – richtigen Weg
    und dass Du nie mehr vergisst, wer Du bist!

    Gefällt 1 Person

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