Buchmarketing im Waldhardt Verlag – wie kommen die Bücher in den stationären Handel?

© olly - Fotolia.com

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Marketing ist neben dem Buch selbst der wichtigste Faktor für mich als Verlegerin. Die Produkte müssen eine hohe Sichtbarkeit am Markt erreichen. Es gibt etliche Titel auf dem Markt, aber nur die wenigsten schaffen es wahrgenommen zu werden.

Als junger Verlag hat man erstmal nur die Online-Kanäle zur Verbreitung der Publikationen. Wie schafft man sich jetzt zusätzliche Optionen? Wie kommt das Buch in den Sortimentsbuchhandel?

Man muss dafür kämpfen. Zuerst muss dafür gesorgt werden, dass über die Bücher gesprochen wird. Hohe Verkaufszahlen in den Online-Shops geben eine Verhandlungsgrundlage für den Buchhandel. Erst dann macht es Sinn, mit den Buchhandlungen Kontakt aufzunehmen. Wenn man etwas in der Hand hat!

Die Teilnahme an Messen, thematisch passende Lesungen für die Autoren und eine hohe Sichtbarkeit auf allen relevanten Plattformen sind der erste Schritt. Mein Marketing konzentriert sich schon vor Erscheinen der Werke darauf.

Was habe/mache ich konkret?

Online-Shop um die Bücher hierüber zu verkaufen. Die Verteilung in allen Online-Shops, wobei das zum Standard gehört, den jeder Verleger heutzutage hat. Dadurch werden sie immer noch nicht sichtbar, sind halt nur »kaufbar«.

Nehmen wir den Arbeitstitel das Turnier, um euch ein Beispiel zu geben. Der Titel erscheint zur Buchmesse im nächsten Oktober.

Vorankündigung zum September. Parallel wird der produzierte Trailer in den Online Shops, mit Verweis auf den Titel verfügbar sein. Teilung des Videos über alle Social Media Kanäle. Aktive Bewerbung mit gesponserten Anzeigen. Vorabbesprechung des Titels durch Blogger und Testleser.

Pressemitteilungen zum Buch. Redigiert und professionell. Kontaktaufnahme zu thematisch passenden Redaktionen. Spezielle Werbung auf diversen Shops, damit der Titel sichtbar gemacht wird. Bemühung um ehrliche Rezensionen zum Buch. Fan-Pakete über den Shop. Akquise von Lesungen. Postkartenaktionen (Auswahl der Zielgruppe, Coverbild des Titels, auf der Rückseite Bestellmöglichkeit und Link zum Trailer). Infos über den Autor oder die Autorin. Private Infos, wenn es sich um ein Pseudonym handelt, die Geschichte dahinter, ohne es preiszugeben (bei Sean war es eine Ausnahme, weil es bereits gelüftet ist).

Durch die hohe Sichtbarkeit, Prozesse der Wahrnehmung generieren, um daraus bestenfalls einen Bestellvorgang auszulösen. Gewinnspielaktionen, Outtakes zum Buch (Szenen, die nicht mehr vorhanden sind, aber trotzdem interessant ohne zu spoilern).

Events zu thematisch passenden Genre-Gruppen und vieles mehr. Meiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und doch habe ich nur ein Ziel, den »Buchhandel«. Erst dann ist es für mich ein richtiger Erfolg, weil so der größte Teil einer Lesergruppe erreicht werden kann. Und weil ich im kleinen Rahmen nachhaltig etwas für das haptische Buch tue. Ein Buch muss man fühlen können, nicht nur die Figuren darin entwickeln ein Leben, sondern das Buch selbst auch.

Ihr seht schon, viel Arbeit in den nächsten Monaten und Jahren, aber ich glaube so hat man eine bessere Vorstellung, was dahinter steckt. Ich lasse euch natürlich an allen wichtigen Dingen, sowohl den Erfolgen (was hat funktioniert), als auch den Misserfolgen (was muss ich besser machen) teilhaben.

Freue mich auf eine spannende und herausfordernde Zeit mit euch.

Was kostet ein eBook beim Waldhardt Verlag?

© javier brosch - Fotolia.com

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In den Verhandlungen mit den zukünftigen Autoren vom Waldhardt Verlag war dies in den letzten Wochen eines der wichtigen Themen. Deshalb hier ein kurzer Abriss für euch, wie ich kalkuliere.

In dem Beispiel gehen wir von einem Roman zwischen 280-350 Seiten aus.

 

Der Markt zeigt mir hier eine Preisspanne zwischen 0,99 Cent bis 12,90 Euro. Ein so breites Spektrum, wo werde ich mich hier als Verlag ansiedeln?

Ein einheitlicher Auftritt der Publikationen ist für die spätere Vermarktung unabdingbar. Ich kann keinen Autoren, der schon mehrmals erfolgreich bei Verlagen verlegt worden ist, gegenüber noch unbekannten Talenten bevorzugen. Ich könnte schon, aber das werde ich nicht tun!

Alle eBooks innerhalb des angegebenen Beispiels kosten in meiner Kalkulation € 4,99. Die Bücher starten mit einer günstigen Promotionsphase von 1-2 Wochen. Dies ist/wird mit den Autoren vertraglich geregelt und vorab besprochen. Diese Phase nutze ich für intensives Marketing, schon vor dem Erscheinen des Werks.

Zusätzlich werden die Bücher in thematisch passenden Blogs diskutiert. Da alle Publikationen meines Verlages vor Veröffentlichung ein Korrektorat (2 Durchgänge) und ein Lektorat (2-3 Durchgänge, direkt mit dem Autoren) durchlaufen, können sich die erfahrenen Schreiber unter euch vorstellen, dass die ersten Publikationen wahrscheinlich nicht direkt kostendeckend laufen werden. Das ist mir bekannt!

Ich investiere also nicht nur in das jeweilige Manuskript, sondern auch in die zugehörigen Schriftsteller. Deshalb ist mir eine langfristige Zusammenarbeit wichtig, um »Marken« aufzubauen.

Die Taschenbuchausgaben der belletristischen Werke werden orientiert an der Seitenzahl mit Preisen zwischen € 7,99 – 12,99 am Markt platziert.

Umfragen schon vor der Gründung haben mir hier geholfen, meine Preise zu finden, mit denen ich kalkuliere.

Warum ich so transparent bin? Ich halte nicht viel von Geheimniskrämerei. Im Netz fand ich immer nur halbgare Infos, wenn ich eine Frage gestellt habe. Bis auf meine Facebook-Gruppe, wo mir neben Verlegern auch andere interessierte Menschen stets mit Rat und Tat zur Verfügung gestanden haben/stehen, war im Internet nur wenig zu finden. Entweder wurde die Verlagsgründung schlecht geredet, oder man hat Zahlenmaterial gefunden, mit dem man nichts anfangen konnte.

Ich wünsche mir, dass meine Seiten auch für andere Gründer einen Anhaltspunkt geben in Zukunft. Die Verlage sollten sich grundsätzlich mehr vernetzen und intensiver zusammenarbeiten. Ich glaube an das Verlagsmodel, ich denke nicht, dass die amerikanische Konkurrenz uns in den Boden stampft. Sie macht uns flexibler, dazu bin ich bereit. Um perspektivisch viele Lesergruppen zu erreichen, würde ich mich auch nicht nur auf ein Modell festlegen. Lesen macht frei und das sollte es nach meinem Wunsch auch bleiben. Wenn ich gemeinsam mit engagierten Autoren einen Beitrag dazu leisten kann, dann bin ich zu allen Schandtaten bereit.

Eure Melanie

Der Waldhardt Verlag distanziert sich als „echter Verlag“ zu 100% von jeglichen Druckkostenzuschussverlagen

(c) Waldhardt Verlag

(c) Waldhardt Verlag

Da die Thematik in den letzten Jahren und Monaten stetig zugenommen hat, eine wichtige Information für alle Autoren und Schriftsteller. Wie jeder andere seriöse Verlag auch distanziert sich der Waldhardt Verlag von allen Druckkostenzuschuss-Anbietern.
Projekte im Waldhardt Verlag werden direkt von der Verlegerin zu 100% finanziert. Dies gilt für alle Manuskripte, die ich in mein Verlagsprogramm aufnehme und realisiere. Ohne jegliche Kostenbeteiligung der Autorenschaft. Neben den üblichen Verlagsleistungen wie Korrektorat, Lektorat, Buchcover, Layout und Buchsatz gehört ein umfangreiches Marketing dazu, damit die Publikation eine hohe Sichtbarkeit am Markt erreicht.
Um das langfristig zu gewährleisten, werden pro Jahr »nur« zwischen 5-10 Buchprojekte realisiert. Diese sind von hoher Qualität und erhalten neben einer professionellen Gestaltung auch intensive Marketingmaßnahmen.
Dafür stehe ich mit meinem Namen.
Melanie Waldhardt, Oktober 2014

Der Waldhardt Verlag im Gespräch – Das Interview

Ich bin nun einige Monate am Start mit meiner Verlagsgründung. In den letzten Wochen hat der Traffic und die damit einhergehenden Fragen auf meinen Seiten stark zugenommen, weshalb ich die Gelegenheit nutze, einige  der Fragen jetzt direkt in einer Art Interview zu beantworten.

© viperagp - Fotolia.com

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1. Warum noch ein weiterer Kleinverlag? Ist der Markt nicht schon übersättigt mit Verlagen?

Ich denke, dass es für gute Literatur immer einen Platz am Markt geben wird, unabhängig davon, wer diese publiziert. Das Wort „Klein“ Verlag heißt für mich nur, dass ich mich erstmal im Aufbau von Autoren und neuen Publikationen befinde. Das heißt nicht, dass ich mich als „kleine“ Verlegerin am Markt platzieren möchte, die mit den großen Anbietern nicht konkurrieren kann.

2. Was meinen Sie damit konkret Frau Waldhardt? Wollen Sie den großen Publikumsverlagen den Markt streitig machen? 

Streitig machen finde ich an dieser Stelle ziemlich negativ besetzt. Ich brauche für die Kuchen, die ich mit meinen Autoren backe, die gleichen Zutaten wie ein großer Verlag, damit diese erfolgreich platziert werden können. Der Vorteil liegt in meiner hohen Reaktionsgeschwindigkeit. Ich brauche anfänglich nicht 2-3 Jahre, um ein Buch zu publizieren, weil mein Programm sich noch im Aufbau befindet.

3. Woraus wird Ihr Programm bestehen? 

Anfänglich habe ich verschiedene Genre-Gruppen festgelegt, von denen ich etwas verstehe. Krimi, Thriller, Fantasy und Ratgeber. Ich plane die ersten 2-3 Jahre jeweils 5-10 Publikationen zur Buchmesse in Frankfurt am Main zu präsentieren.

4. Das ist nicht sonderlich viel, was Sie dann in einigen Jahren am Markt haben. 

Dafür gehaltvoll und hochwertig produziert.

5. Ich habe gelesen, dass Sie neben der Vermarktung im Print- und Ebookbereich auch Hörbücher anstreben, wie haben Sie sich das vorgestellt? 

Manche Geschichten eigenen sich auch hervorragend als Hörbuch. Ich habe hierzu Kontakt mit mehreren Tonstudios aufgenommen, die über ein namhaftes Sprecherportfolio verfügen und auf Produktionsbasis tätig werden.

6. Konnten Sie bereits Autorenverträge abschließen? 

Nächste Woche folgt höchstwahrscheinlich der 5 Autorenvertrag. Das sind alles Menschen die bereits erfolgreich bei anderen Verlagen oder als Selfpublisher agiert haben. Ich freue mich hier über das Vertrauen und die Offenheit der einzelnen Autoren.

7. Wann sind Sie denn offiziell gestartet? 

Ich bin vor 4 Monaten mit meinem Projekt in die Öffentlichkeit gegangen. Viele Jahre der Planung gingen dem Projekt voraus. Ich wollte das schon immer machen, musste mir aber erstmal die finanziellen Bedingungen dazu schaffen. Als es dann soweit war, hab ich es öffentlich gemacht.

8. Haben Sie schon einmal vom Aktionsbündnis für faire Verlage gehört? Wenn ja, wie stehen Sie dazu? 

Ich habe bereits davon gehört und finde es eine prima Sache. Alle von mir veröffentlichten Publikationen werden auch von mir finanziert. Die Autoren tragen selbstverständlich keine Kosten. Jeder Autor bekommt nach Erstellung der Publikation 25 frei Exemplare seines Werkes zugeschickt. Auch dies ist nicht mit Kosten verbunden. Ich publiziere ausschließlich Werke an die ich glaube und trage das unternehmerische Risiko dafür.

9. Welche Leistungen erhalten im Waldhardt Verlag publizierte Bücher? 

Neben den Standardleistungen wie Korrektorat, Lektorat, Buchsatz, Cover und Design natürlich ein Marketingbudget welches individuell pro Titel von mir festgelegt wird. Außerdem werde ich regelmäßig mit meinen Autoren auf der Buchmesse vertreten sein. Ich sorge für die Sichtbarkeit der einzelnen Bücher.

10. Wie würden Sie sich als Mensch beschreiben Frau Waldhardt? 

Das drücke ich ganz einfach in drei Worten aus: Ehrgeizig, zielorientiert und stringent!

11. Danke für die vertieften Einblicke und viel Erfolg für die Zukunft für dieses spannende Projekt. 

Herzlichen Dank, den werden wir haben.

 

 

 

Struktur ist alles – Verlegerin mit System :-)

(c) Waldhardt Verlag

(c) Waldhardt Verlag

Hauptbestandteil meiner Tätigkeit als Verlegerin ist das Marketing. Anfänglich natürlich sehr viel für den Verlag selbst, damit ich an Sichtbarkeit gewinne, zeitnah dann für die einzelnen Verlagstitel mit ihren wundervollen Autoren, die einen hohen Stellenwert innerhalb meiner täglichen Arbeit genießen.

Neben dem Strukturplan und den Erscheinungsterminen für die Bücher benötige ich auch einen Plan für das Marketing für die Autoren. Nächste Woche geht schon wieder ein Vertrag raus und alles muss dementsprechend vorbereitet werden. Kontakte sind tatsächlich alles und helfen mir, mich hier effizient zu strukturieren.

Ich beschäftige mich täglich viele Stunden mit den sozialen Netzwerken, die neben Pressearbeit ein wichtiger Schlüssel bei der Sichtbarmachung von Persönlichkeiten und Inhalten sind. Endlich ist der Blog fertig, sodass ich von hier als Kommandozentrale gut arbeiten kann. Alles ist jetzt viel übersichtlicher und bereitet auch meinem Auge wesentlich mehr Freude als vorher. Ich muss mir viele Infos die ich brauche mühsam zusammensuchen. Aber in Recherche Themen war ich schon immer fit. Also wuppe ich das auch noch.

Bin gespannt wie die ersten Romane von mir am Markt platziert werden können. Dafür schaue ich anderen Verlegern und Autoren intensiv über die Schulter, ich muss das Rad nicht neu erfinden, nur nachhaltig sein. Das ist ein ganz wichtiger Schritt.

Jetzt weiter Manuskripte sichten und Mails beantworten, die ich mittlerweile täglich bekomme. Darüber freue ich mich riesig. Alles im grünen Bereich.

Ein angenehmes Wochenende für euch.

Melanie Waldhardt

Dogmen im Wind

© Sonja Birkelbach - Fotolia.com

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Du sitzt vor einem Spiegel, schaust hinein. Du siehst erstmal ein Gesicht, es folgen die Gestik und die Mimik, weil deine Mundwinkel sich bewegen. Du trittst mit dir ins Zwiegespräch. Du hast einige Fragen, die bisher noch nicht abschließend beantwortet wurden. Die Geburt hatte einen Sinn, das war der erste Meilenstein des Seins. Wenn dann der Moment kommt, an dem du begreifst, warum du hier bist, hast du das Leben verstanden, sagte Mark Twain. Doch wann kommst du an diesen Punkt?

Vielleicht machst du mehrmals die Erfahrung wertig zu sein, in deiner eigenen Wirklichkeit. Wenn Menschen dich als wertvoll ansehen, dann hast du zumindest schon einmal deren Realität bereichert. Doch bist du nicht dafür da, andere Begebenheiten zu beflügeln, auch wenn die Dogmen stets versuchen dich etwas Divergentes zu lehren?

Geben wir den Glaubenssätzen eine Gestalt. Wir verwandeln unsere Dogmen nun in kleine Rauchwolken, die mit dem Wind verschwinden. Nun kannst du selbst überlegen, was du davon für dich behalten magst. Von Kopf bis Fuß in deinem ureigenen Leben.

Du wirst pur und deine Denkweise erscheint dir in einem andersartigen Licht. Diese Quelle ist es, welche dich zu einer Bestimmung führt. Nun fange an zu leuchten, es »scheint«, als bist du Teil einer universellen Energie, die in Zusammenkunft mit anderen Energien, Wünschen und Motiven heller strahlt, als in Gänze für sich allein. Also hat jedes Dogma doch etwas positives? Mit diesen Gedanken lasse ich dich nun ziehen. Du bist sicher realistisch genug, um deine eigene Lösung dafür zu finden.

(c) Melanie Waldhardt

Ein Nerz wärmt keine Herzen

© Subbotina Anna - Fotolia.com

© Subbotina Anna – Fotolia.com

Als ich gestern beruflich speiste, hatten wir uns ein, sagen wir gehobeneres Restaurant ausgesucht. Der Empfang war wie in diesen Kreisen üblich freundlich und devot.

Wir wurden an einen Tisch abgetrennt vom Schuss gebracht und waren froh, als wir unsere Plätze eingenommen hatten. Bis auf den »kleinen Gruß« aus der Küche schmeckte alles hervorragend. Ein bayerischer Abend mit allerlei Köstlichkeiten.

Nachdem wir die Vorspeise aßen, betrat eine Dame das Lokal. Eine rundliche Frau um die 50, sie machte, gleich von sich reden. »Nimmt mir jemand den Nerz ab«? Rief sie unüberhörbar in die Menge.

Eine der Kellnerinnen stürmte eilig zu ihr, (sie wäre beinahe hingefallen), da  entgegnete die Lady: »Damit müssen Sie ganz vorsichtig umgehen, den habe ich von meinem Mann zum Hochzeitstag geschenkt bekommen, wir haben ein eigenes Labor und ich habe nur selten die Zeit abends auszugehen«.

Verdutzt schaute ich meine Begleitung an. »Wie arm sie ist, scheint einsam zu sein«. Mein Kollege konnte sich ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen.

Eine Stunde später, die Dame mit dem »Nerz« hatte inzwischen das zweite Glas Rotwein runtergenippt- zitierte sie eine der Kellnerinnen, die sowieso ständig um alle Tische herumwuselten und den Gästen jeden Wunsch von den Augen ablasen, zu sich an den Tisch. Lautstark: »Es kann sein, dass mein Gatte noch kommt, halten Sie bitte ein Gedeck vor, er arbeitet immer viel, ich kann es nicht mit Sicherheit sagen«.

Natürlich kam keiner, wahrscheinlich hatte sie nicht mal einen Partner und schwelgte im Glanz vergessener Tage. Als wir das Etablissement verließen, habe ich der Dame noch ein Kompliment für Ihre Bluse gemacht. Sie war cremefarben und dem Augenschein nach aus reiner Seide. Kleidete sie gut, wie ich fand.

Eine der Bedienungen half mir in den Mantel, als die Dame lautstark rief: »Sie dürfen gerne einen Nachtisch bei mir am Tisch zu sich nehmen. Ihre Begleitung ist auch herzlich eingeladen«.

Freundlich lehnten wir ab, huschten zügig aus dem Restaurant. Auf dem Weg zum Auto haben wir beide noch kurz über die Verarmung der Gesellschaft nachgedacht und uns dann ganz entspannt dem Kinobesuch gewidmet.

Ich wünsche jedem Menschen, echt nachhaltige und tiefe Gefühle- unbezahlbar.